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L'article le plus pointu publié sur le "Projet Chiens du Pamir" est paru dans le "Magazine Allemand des Chiens", mais n'est malheureusement pas encore traduit.

Zentralasiaten / Hundemagazin auf Reisen / erschienen in "Das Deutsche Hundemagazin" April 2005

Die großen Hunde der blauen Berge - ein Besuch auf dem Hornishof bei Basel

von Eva-Maria Krämer (Hunde-Journalistin und Autorin des "Kosmos-Hundeführers" etc.)

In beeindruckend schöner landschaftlicher Lage - weitab vom Lärm der Städte - liegt der Hornishof bei Kiffis im Französischen Jura, nahe der Schweizer Grenze und von Basel aus in einer knappen Stunde zu erreichen. Der Besuch lohnt sich, wenn man sich für ungewöhnliche Tiere interessiert. Ronald Guldenschuh züchtet dort seit über 10 Jahren erfolgreich Lamas und Alpakas, als Hobby hält er einige Yaks und züchtet zentralasiatische Hirtenhunde.

Besucher sind gegen Voranmeldung immer willkommen, und wer sich für Hirtenhunde interessiert, hat hier eine gute Möglichkeit sich vor Ort über die Eigenarten dieser Hunde zu informieren. Auf 60 Hektar Wald-und Wiesenland ist Platz genug, um allen Tieren den erforderlichen Lebensraum zu bieten.

Uns interessierten natürlich die Hirtenhunde. Ronald Guldenschuhs Zucht basiert auf Importen aus Afghanistan. Doch Nachschub aus den Herkunftsländern Zentralasiens ist schwierig, insbesondere wenn es sich um Krisenregionen handelt, wie z.B. Afghanistan. Die Situation der Nomadenhunde ist dort nach den Kriegswirren und in der jetzigen politisch alles andere als stabilen Lage ungewiss. Es ist deshalb ein wichtiges Ziel, einen züchterischen Engpass durch Inzucht zu vermeiden und eine gesunde Genvielfalt zu erhalten. D. h. die unterschiedlichen Schläge müssen bewahrt werden, auch wenn sie keine Chance auf Preise im Ausstellungsring haben.

Wir kennen das Problem bei vielen Rassen, die nur nach äußerem Erscheinungsbild gezüchtet werden und sich weit von ihrer ursprünglichen Form entfernt haben, manchmal sogar so weit, das Gesundheit und Wohlbefinden beeinträchtigt sind. Nach französischem Zuchtreglement können Tiere ohne Papiere zur Zucht verwendet werden, sofern sie von Fachleuten als nach ihrem äußeren Erscheinungsbild der Rasse gehörend beurteilt werden. Dadurch können trotz großer Schwierigkeiten immer wieder Importhunde eingeführt werden, denn die Nomaden kümmern sich nicht um Registrierung und Ahnentafeln. Sie züchten die Hunde so, wie sie sie brauchen, und das seit vielen Generationen. Die Hunde vom Hornishof werden zwar auch auf Ausstellungen gut bewertet, aber Schauhunde zu züchten liegt Ronald Guldenschuh fern. Ihm geht es darum, die zum Kulturgut des Menschen gehörenden Hunde zu erhalten.

Die Hunde auf dem Hornishof zeigen verschiedene Erscheinungsformen des Hirtenhundes - vom ausgewogenen Idealtyp über leichtere, schlankere, bewegliche Typen bis hin zu den beliebten schweren, mächtigen Hunden. Die Kunst des Züchters ist es, sie nach ihren jeweiligen Vorzügen zu verbinden, um einem erwünschten Typ nahe zu kommen.

Die Hunde leben auf dem Hornishof in großen, fest eingezäunten Gehegen in kleinen Familiengruppen. Doch Ronald Guldenschuh befindet sich tag aus tag ein bei seinen Tieren und hat immer auch ein paar Hunde mit sich frei auf dem Gelände laufen. Die Gehege sind so groß, dass sie den Hunden Bewegungsraum ermöglichen und den Lamas Weideflächen bieten. Damit haben sie ihr eigenes Territorium mit ihren Tieren und eine Aufgabe, für die sie seit vielen Jahrhunderten gezüchtet wurden. Ausgeglichener Charakter zufriedener Hunde ist das Ergebnis. Eine besondere Freude für die Hunde, die von klein an daran gewöhnt wurden, bieten die Besucher, im Sommer insbesondere Schulklassen mit vielen Kindern.

Wir dürfen mit Ronald Guldenschuh alle Gehege betreten und werden von den meisten Hunden freudig begrüßt und zum Schmusen aufgefordert. Einige wenige können den plumpen Vertraulichkeiten nichts abgewinnen und suchen keinen Kontakt zu uns. Der Züchter beobachtet das Verhalten seiner Tiere ganz genau und unterscheidet zwischen den unterschiedlichen Ausprägungen von Zurückhaltung, Misstrauen bis zur unerwünschten Ängstlichkeit, ebenso wie der verschiedenen Formen der Aggression. Denn natürlich muss sein Zuchtziel sein, dass sich die Hunde auch in unserer modernen Umwelt wohlfühlen, denn nicht jedem Welpen ist es vergönnt, in einem so weitläufigen Gebiet mit eigenen Tieren leben zu dürfen.

Allerdings ist eine Voraussetzung für den Verkauf eines Hornishofhundes, dass Lebensraum vorhanden ist und der Hundehalter um die Eigenarten dieser Hunde weiß. . Bei den geeigneten Menschen und Gegebenheiten gewöhnen sich auch ältere Hunde gut ein. Der Hirtenhund hat als Herdenschützer seit Tausenden von Jahren eine wichtige Funktion.

Wer damit liebäugelt, einen oder noch besser mehrere dieser großen Hunde zu halten, darf keine Anpassung erwarten, sondern muss vielmehr Lebensraum und Lebensweise den Hunden anpassen. Wer das nicht will, hat unter den vielen Rassen, die unserer modernen Wohnund Freizeitwelt inzwischen angepasst wurden, eine große Auswahl und sollte auf jeden Fall auf den Hirtenhund verzichten.

Ich habe Hirtenhunde in verschiedenen Regionen Europas bei ihrer ursprünglichen Aufgabe erlebt. Sie mögen ihre Menschen, die sie kennen und die ihnen Futter bringen, aber sie brauchen sie nicht wirklich. Sie sollen sich auch nicht am Menschen orientieren, sondern selbständig ihre Aufgabe wahrnehmen. Kein Hirte kommt je auf die Idee, irgend eine Unterordnungsübung von seinem Hund zu verlangen. Das gemeinsame Ziel - der Lebensunterhalt basierend auf der Herde - lässt Mensch und Hund kooperieren. Eine zügige Platzübung gehört sicher nicht dazu. Selbst das Heranrufen, weg von der Herde gestaltete sich oftmals für die Hirten schwierig. Heranlocken ist da eher angebracht, und wenn es der Hund für angebracht hält, seinen Wachposten wieder einzunehmen, dann hält ihn niemand auf.

Ich will damit nicht sagen, dass die Hunde nicht lernen können und sich nicht erziehen lassen. Natürlich können sie sich weitgehend anpassen, sie sind ja auch nicht dumm. Aber es erfordert viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Verständnis, wobei es natürlich auch individuelle Unterschiede gibt. Sie werden aber immer eine gewisse Eigenständigkeit und geringe Unterordnungsbereitschaft an den Tag legen. Wer es versteht, von klein an dem Hund ein anerkennenswerter Rudelchef zu sein, kann davon ausgehen, dass der Hund mitarbeitet und ihm zuliebe auch Dinge tut, die er vielleicht nicht unbedingt einsieht. Doch er wird immer Entscheidungen treffen, wenn er es für erforderlich hält. Nur solche Hunde waren dem Hirten von Nutzen, und deshalb ist dieser Charakter tief im Erbgut verankert. Eine natürliche angeborene Autorität sollte der Hirtenhundbesitzer ausstrahlen und Kenntnis in Hundeverhalten besitzen, um den Hund zu verstehen, mit ihm entsprechend kommunizieren zu können und Missverständnisse zu vermeiden.

Selbstsicherheit geht Hand in Hand mit Dominanz. In ihrem Territorium sind sie König. Sie verbringen sehr viel Zeit, von einem strategisch wichtigen Punkt aus das Umfeld zu beobachten. Das Bedürfnis, es zu verlassen ist gering. Allerdings stimmen die Grenzen, die der Hund setzt, nicht immer mit der Einzäunung überein. Ihm gehört, was er regelmäßig kontrolliert und markiert. Bei der Herde schreiten die Hunde zunächst das Umfeld einer neuen Weide weiträumig ab und kontrollieren es auf mögliche Feinde und markieren es natürlich. Nach diesem Kontrollgang suchen sie einen Platz, von dem aus sie möglichst viel Umfeld im Auge haben und verbringen den Tag mehr oder weniger dösend, so lange sich die Herde friedlich grasend aufhält. Zieht die Herde, laufen einige Hunde voraus, andere flankieren die Seiten und wieder andere bilden das Schlusslicht und sichern so das Umfeld der Herde. Ihr Territorium wandert mit. In dichter besiedeltem Gebiet, wo die Hunde Menschen von klein an kennen, stellen sie für Menschen keine Bedrohung dar. Die Hunde weichen eher aus, wenn man ihnen zu nahe kommt.

Ganz anders ihr Verhalten gegenüber Hunden! Bei einer Begegnung mit einem solchen Hirtenhund im Gelände, würde ich mit meinem Hund schleunigst das Weite suchen. So sozialverträglich diese Hunde in ihrer eigenen Gruppe sind, so unduldsam sind sie gegenüber fremden Hunden - und zwar unabhängig von Alter und Geschlecht. Nicht zuletzt stellen verwilderte Hunde in vielen Regionen eine ernsthafte Bedrohung für die Herden dar, wo Wölfe längst ausgerottet sind und sind damit natürliche Feinde. Wenn man dies weiß, versteht man auch das Verhalten der Hirtenhunde in unserer modernen Umwelt.

Für den Hirtenhund als Familienbegleithund bedeutet das: Geht man z.B. häufig mit dem Hund die gleichen Strecken - um in freies Gelände zu kommen oft unumgänglich - ist das sein Kontrollgang, den er markiert. Vierbeinige Freunde, die er von klein an kennt, wird er hier dulden, aber niemals Fremde - sie sind unerwünschte Eindringlinge. Deshalb haben viele Besitzer von Hirtenhunden das Problem, das insbesondere die Rüden "gerne raufen". Der gelassene, eher mäßig temperamentvolle Hund ist zu überraschenden, blitzschnellen Reaktionen fähig, hinter denen enorme Kraft steckt. Ein Halten an der Leine ist da praktisch unmöglich.

Die gleichen Hunde verhalten sich in fremdem Gelände - z.B. in der Stadt oder auf einer Ausstellung - oft sehr zurückhaltend, ja wirken sogar ängstlich. Sie wissen sehr genau, dass sie sich in fremdem Revier befinden und fürchten den Zorn des Inhabers, so wie sie Eindringlinge das Fürchten lehren. Für den Hirtenhund kann es durchaus Stress bedeuten, häufig das Revier zu wechseln, weil wir glauben, ihm Abwechslung bieten zu müssen.

Ist man ein reiselustiger, wanderfreudiger Mensch oder beruflich viel unterwegs und will seinen Hund immer bei sich haben, sollte man eine andere Rasse wählen. Wer allerdings ein großes Gelände hat, auf dem sich der Hund - möglichst mit einem vierbeinigen Partner - frei bewegen kann, wer sich selbst dort viel aufhält, auch wenn er sich nicht dauernd um die Hunde kümmern kann, der wird die Selbständigkeit schätzen und froh sein, wenn der Hund nicht den ganzen Tag darauf wartet, dass man endlich mit ihm etwas unternimmt. Diese Hunde können durchaus tagsüber alleine auf dem sicher eingefriedeten Grund bleiben ohne den Menschen zu vermissen. Voraussetzung ist jedoch, dass sie die Verantwortung für ein Revier und möglichst auch Tiere tragen dürfen, in dem sie sich angemessen bewegen können. 1000 qm reichen da nicht!

Wichtig ist, dass die Welpen sehr gut geprägt und sozialisiert werden. Sie müssen von klein an mit fremden Menschen, Kindern, Tieren vertraut gemacht werden und sollten möglichst in einer Hundefamiliengruppe aufwachsen und nicht zu früh abgegeben werden. Es ist wichtig, dass sie in der Gruppe Sozialverhalten lernen, vor allem aber sich unter zu ordnen und einen zweibeinigen Chef zu akzeptieren. So ist er in der eigenen Familie ein liebenswerter, ja zärtlicher Hausgenosse, der sich gut erziehen lässt.

Auch wenn er als gut geprägter Hund Menschen nicht ernst genug nimmt, um ihnen aggressiv zu begegnen, so ist und bleibt er doch ein Wach-und Schutzhund, der besonders nachts aufmerksam ist. Ein sicher eingezäuntes Grundstück, das Unbefugte nicht einfach betreten können, ist deshalb unerlässlich.

Eva-Maria Krämer: www.infohund.de - DAS Spezialarchiv für Hundefotos - Postfach 2217 - 53814 Neunkirchen-Seelscheid -www.alles-ueber-hunde.de

 

 

 

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